Historisch gewachsenes Know-how in der Gasindustrie –
unsere Erfolgsstory in Sachen RFID-gestützte „Gasflaschen-Verfolgung“

Die Gasindustrie, hier insbesondere die Lieferanten von Flaschengasen, sahen sich in der Vergangenheit in immer stärkerem Maße dem Wettbewerb ausgesetzt, wobei es schwerpunktmäßig darum ging, den Lieferantenstatus bei Großkunden zu erhalten bzw. neue Großkundenpotenziale zu erschließen.
Wir blicken zurück in das wirtschaftlich sehr angespannte Jahr 1992; Verluste/Rezession, übergegangen noch aus 1991, bestimmten das allgemeine Marktgeschehen. Der daraus resultierende, immer schärfer werdende Konkurrenzkampf – auch und insbesondere in der Gasindustrie und da noch geschürt durch einen stetigen Preisverfall bei Standardgasen – bestimmten die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage. Um hier partiell gegenzusteuern, wurde die schon länger von allen Gaslieferanten geforderte Flaschen-Miete zwecks Weiterberechnung an die Abnehmer generell eingeführt.
Die Kunden wiederum, die sich plötzlich mit immer höheren, nicht transparenten Mietkosten für die Gasflaschen konfrontiert sahen, forderten u.a. nach einer verlässlichen Erfassung der tatsächlich anfallenden Miettage.
Die Lösung – eine elektronische Kontrolle der Flaschen!
Nur, wer konnte mit der schnellsten und besten Lösung aufwarten?
Bei vielen Anbietern in der Gasindustrie ging der Blick direkt in Richtung Barcode. Diese „Technik“ war verfügbar, sie wurde bereits eingesetzt und was schon praktiziert wird,
müsste dann ja auch gut sein.
In der Euphorie, etwas Passendes gefunden zu haben, wurde nicht abgewogen bzw. beachtet, welche Nachteile man sich mit einem Barcode-System einhandelte –
geringe Speicherkapazität von etwa 100 Bit und nicht wiederbeschreibbar, äußerst empfindlich gegen Kratzer, Schmutz und Feuchtigkeit (also zwangsläufig eine hohe Rate an zerstörten Barcodes beim Flaschenumlauf), nur aus nächster Nähe lesbar bis hin zur
Anschaffung von aufwändigen Druckern.
Doch es gab auch visionäre Firmen, wie die damalige Messer Griesheim AG, heute
Air Liquide Deutschland GmbH, die die damals noch recht unbekannte RFID-Technik (Radio Frequency Identification) als Möglichkeit zur elektronischen Flaschenverfolgung für sich entdeckten. Bei dieser innovativen Technik werden Informationen auf einen so genannten Transponder (Tag) geschrieben, der über ein Lese-/Schreibgerät ausgelesen wird. Nur die Auswahl an kompetenten Partnern in dieser zukunftsorientierten Technik war seinerzeit gering.
Der Wettbewerb wählte Barcode-Systeme, Messer Griesheim ging einen
mutigen Schritt weiter und suchte nach RFID-Lösungen.
Bei der scemtec transponder technology GmbH in Reichshof bei Gummersbach wurde
man fündig.
Ein noch junges Unternehmen, aber bereits ein spezialisierter, kompetenter und leistungsstarker Partner mit genügend Hintergrundwissen für diesen damals noch einzigartigen Konzeptansatz.
Es war Neuland, auf dem man sich bewegte, hier war echte Pionierleistung
von beiden Unternehmen gefordert.
Die überzeugenden Vorteile von Transpondern zu Barcodelabeln waren aber schnell erkennbar. Zum einen die Unempfindlichkeit gegen Umwelteinflüsse und zum anderen die große Speicherkapazität für Informationen, die man Lesen und darüber hinaus jederzeit wieder neu bzw. aktualisiert schreiben/speichern konnte.

In nur wenigen Monaten entwickelten die Spezialisten der scemtec transponder technology GmbH und der Messer Griesheim GmbH ein bis dato. einmaliges Komplettsystem. Dieses bestand und besteht noch heute erfolgreich im Einsatz aus einem Lese-/Schreibgerät MDE (Mobiles Daten Erfassungsgerät – Produktname SHT 3320) für passive Transponder im Bereich 125 KHz und einer von scemtec exklusiv entwickelten Ladestation (Produktname SHT B3),
die gleichzeitig zur Übertragung der aufgenommenen Daten zum PC dient.
Das Lesegerät von scemtec musste zudem für explosive Bereiche ausgelegt werden,
was zusätzlich eine neue Herausforderung darstellte.
Zur Übertragung und Auswertung der Daten entwickelte Messer Griesheim parallel eine Datenbank mit Namen ELVIS (Elektronisches Verwaltungs- und Informationssystem für Stahlflaschen).
Messer Griesheim argumentierte nun mit genauerer Bestimmung der gelieferten Flasche, denn der Transponder enthielt nicht nur die Produktnummer, Druckwert und das Volumen – auch das TÜV-Datum und „entscheidend“ die Flaschennummer mit Herstellungsjahr als unverkennbares Merkmal einer Flasche. Stahlflaschen für ELVIS-Kunden wurden nun mit Transpondern ausgerüstet, die in einem Ringhalter eingebracht, am Flaschenhals geschützt montiert wurden.
Im September 1994 erfolgte mit großer Beachtung in der Fachpresse und der einschlägigen Branche der Startschuss für das Zeitalter der elektronischen Flaschenverfolgung in der Gasindustrie.

Der Kunde konnte nun bei Anlieferung von Messer Griesheim mit dem MDE die gelieferten Flaschen einlesen und bei Rücklieferung an Messer Griesheim auslesen. Gleichzeitig erfasste Messer Griesheim die Flaschen vor Auslieferung und bei Rückgabe. So entstand eine absolut transparente Übersicht der Flaschenbestände beim Kunden und bei Messer Griesheim mit exakter Berechnung der anfallenden Mietkosten.
Zusätzlich ergab sich für die Kunden noch ein weiteres Highlight. Bei interner Buchung aus einem Zentrallager an den jeweiligen Verbraucher erhält die Flasche in der Datenbank zusätzlich bei Bedarf eine interne Kostenstelle sowie eine Ortsbezeichnung. In der Datenbank ist es jetzt somit möglich, jede Flasche zu kontrollieren – z.B. welche Kostenstelle und/oder Ort in welchen Zeitraum wie viel Miete verursacht. Dies ist wichtig, um wiederum die von Messer Griesheim geforderte Miete intern umzusetzen. Lange Standtage lassen sich prüfen und gezielt hinterfragen mit dem Ziel, die Mietkosten zu senken und den Bestand zu verringern.
Die Erfahrung zeigt, bedingt durch die Kontrolle der Mietkosten sinken die Umlaufzeiten der Flaschen und damit verbunden die Mietkosten, die Messer Griesheim in Rechnung stellt.
Nachteilig für Messer Griesheim – auf keinen Fall, denn diese auf Verlässlichkeit und Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Logistik zeugt von einem partnerschaftlich orientierten Lieferantenverhalten und sichert zufriedene, langfristige Kundenbeziehungen.
Durch einen kleineren Flaschenbestand bei den Kunden reduzierte sich darüber hinaus die Neuanschaffung von Flaschen durch Messer Griesheim spürbar.
Rund 600 000 Gasflaschen aber auch tausende von Paletten wurden bei Messer Griesheim und sind es auch heute bei der Air Liquide Deutschland GmbH mit Transpondern ausgerüstet.
RFID in der Gasindustrie – seinerzeit initiiert mit dem Schulterschluss von Messer Griesheim und scemtec – erzeugte eine Sogwirkung.
Mehr als 50 Unternehmen und Institutionen, wie Universitätskliniken arbeiten zwischenzeitlich allein in Deutschland mit der Gasflaschen-Verfolgung mittels RFID.
Die „Elektronische Identifikation mittels RFID“ ist heute aus der Gasindustrie nicht mehr wegzudenken. Andere große, namhafte Gasunternehmen haben im Laufe der Jahre die
Vorteile gegenüber dem Barcode erkannt und dieses Konzept übernommen.
Hier zu erwähnen ist besonders das ehemals schwedische Industriegas-Unternehmen AGA, heute zugehörig zur Linde AG, das nahezu in seinem gesamten Vertretungsgebiet auf die ausgereifte RFID-Technik von scemtec vertraut.
Aber scemtec ist technisch natürlich nicht stehen geblieben, die Erfolgsstory wird fortgeschrieben.

„RFID goes Bluetooth" – die scemtec Hand Held RFID Produktfamilie hat Zuwachs bekommen. Der neu entwickelte Industriereader SIH 5010 (Scemtec Intelligenter Handheld Reader für passive Transponder) entspricht maßgeschneidert den aktuellen Bedürfnissen der Gas- und Ölindustrie für die Verfolgbarkeit („Track and Trace") von Gaszylindern.
Der innovative Reader wurde für die rauen Bedingungen der industriellen Gasflaschen- und Behälterlogistik der chemischen Industrie zur weltweiten Verwendung entwickelt.
Er wird seinen Vorgänger, den scemtec SIH 3001, nun komplett ersetzen.
Die ersten 100 Serienreader sind bereits bei der Firma AGA (s.o.) im weltweiten, harten Industrieeinsatz und bilden das zukünftige Schlüsselelement für RFID-gestützte Behälteridentifikation, welches die Grundlage eines modernen und wirtschaftlichen Leihpoolmanagements darstellt!
Der neue SIH 5010 besitzt einen eigenen Akku und eine Bluetooth-Schnittstelle. Damit ist er problemlos an jedem modernen Pocket-PC mit Bluetooth-Schnittstelle verwendbar.
